Warum Georgien zwischen Europa und Russland schwankt
Publiziert in der Loyal
Autor*innen: Elisha Iannucci-Laqua, Jeremy E. Colbow und Niklas Gröber
Georgien wurde in der vergangenen Dekade oft als geopolitischer Swing State zwischen Russland und dem Westen bezeichnet, mit sowjetischer Vergangenheit und europäischer Zukunftsorientierung. Auf die Unterzeichnung des EU-Assoziierungsabkommens 2016 und die Verankerung des EU- und NATO-Beitrittsziels in Form einer Verfassungsnovelle 2018 folgte vor einem Jahr der Stopp der Beitrittsverhandlungen bis 2028. In diesem Artikel legen Elisha Iannucci-Laqua, Jeremy E. Colbow und Niklas Gröber vom Bundesverband Sicherheitspolitik an Hochschulen dar, wie es zur Identitätskrise Georgiens kommen konnte, und skizzieren, welche Folgen das für die Außenpolitik des Landes hat.
Geopolitik am Golf: Wettlauf um KI

Publiziert in der Loyal
Autorin: Schad-Lina Kadir
Der Wettstreit um die Vorherrschaft im Raum der Künstlichen Intelligenz (KI) zwischen den USA und China läuft nicht nur zwischen den beiden Staaten. Auch zahlungskräftige Kunden auf der arabischen Halbinsel sind wertvolle Partner für die kapitalhungrige Entwicklung der Branche. Wer lukrative Verträge in den Ländern schließt, erlangt Zugang zu den heiß begehrten Abnehmern der Region. Die internationale Konkurrenz zwischen den USA und China spielt sich hier deutlich ab. Beide Seiten ringen um die Verträge mit den Staaten des Golfes und bringen sich gegeneinander in Stellung.
Why Finland Can Agree When Everyone Else Can’t

Publiziert durch: Nordic Policy Dispatch
Autor: Yannick Pritschet
Warum kann Finnland sich einigen, wenn andere Demokratien daran scheitern?
In „Why Finland Can Agree When Everyone Else Can’t“ zeigt Yannick Pritschet, wie das Land trotz wachsender politischer Polarisierung bemerkenswerte Einigkeit bewahrt. Anhand der Entscheidungen zum NATO-Beitritt und zum Ausstieg aus dem Ottawa-Vertrag erklärt der Essay, warum ideologische Stabilität und ein tief verankerter Konsensgeist Finnland davor bewahren, in den politischen Stillstand zu geraten, der viele andere Demokratien lähmt.
Should Identity trump Security? Rethinking Finland’s NATO Accession

Publiziert durch: Nordic Policy Dispatch
Autor: Yannick Pritschet
Was, wenn nicht Sicherheit, sondern Identität den Ausschlag gibt? In „Should Identity trump Security? Rethinking Finland’s NATO Accession“ untersucht Yannick Pritschet, warum Finnlands Beitritt zur NATO 2022 weniger ein strategischer Sicherheitsakt war als Ausdruck eines tiefgreifenden Wandels im nationalen Selbstverständnis. Der Essay zeigt, wie sich Finnlands gesellschaftliche Identität, geprägt von Neutralität und Unabhängigkeit, in Rekordzeit neu formte und erklärt, weshalb das Land gerade jetzt bereit war, eines seiner außenpolitischen Grundprinzipien aufzugeben.
Erosion through Plausible Exception: Russia’s targeting of European Cohesion through Hybrid Warfare.

Publiziert durch: Nordic Policy Dispatch
Autor: Yannick Pritschet
Wie stabil ist Europas Zusammenhalt, wenn „Ausnahmesituationen“ zur Regel werden? Der Essay „Erosion through Plausible Exception: Russia’s Targeting of European Cohesion through Hybrid Warfare - Finland’s Case of Instrumentalized Migration“ von Yannick Pritschet analysiert, wie Russland mit dem gezielten Einsatz von Migration als Waffe europäische Solidarität auf die Probe stellt. Am Beispiel Finnlands zeigt der Beitrag, wie „plausible Ausnahmen“ in der Migrationspolitik zum Einfallstor für die Erosion gemeinsamer Werte werden und warum das für die EU weitreichende sicherheitspolitische Folgen hat.
Eine Chronik der Studierendenproteste in Serbien

Publiziert durch: KFIBS
Autorin: Marta Milošević
Seit dem Einsturz des Vordachs am neu eröffneten Bahnhof in Novi Sad im November 2024, bei dem 16 Menschen starben, erlebt Serbien eine der größten Protestbewegungen seiner jüngeren Geschichte. Aus der Empörung über die Katastrophe erwuchs eine von Studierenden getragene Bewegung mit fünf zentralen Forderungen: Rücktritt Verantwortlicher, Offenlegung von Baudokumenten, Aufklärung von Polizeigewalt, Einstellung politisch motivierter Verfahren und eine Anhebung des Bildungsbudgets. Die Bewegung organisierte sich dezentral und demokratisch, gewann an Dynamik und mündete im Frühjahr 2025 in Massenprotesten mit Hunderttausenden Teilnehmenden.
Die autoritär regierende Serbische Fortschrittspartei (SNS) reagierte mit Repressionen: Überwachung, Einschüchterung, Polizeigewalt und sogar dem Einsatz einer Schallkanone. Forderungen nach Neuwahlen kulminierten im Juni 2025, nachdem Kommunalwahlen massive Unregelmäßigkeiten offenbarten. Präsident Aleksandar Vučić sprach von ausländischen Verschwörungen und bot einen „Dialog“ an, den die Studierenden nur im Rahmen von Wahlen zustimmen wollen.
Parallel dazu gerät der EU-Beitrittsprozess ins Stocken. Während Nachbarstaaten Fortschritte erzielen, stagniert Serbien wegen Defiziten bei Rechtsstaatlichkeit und Korruptionsbekämpfung. Die EU hält sich bislang mit klaren Reaktionen zurück, was Misstrauen in der Bevölkerung nährt – zumal sie den Lithiumabbau in Serbien strategisch unterstützt.
Die Proteste haben das Land wachgerüttelt, doch der Ausgang der Krise bleibt offen: Er wird entscheidend für Serbiens demokratische Zukunft und seinen EU-Kurs sein.
Das Ende der Sanktionspolitik?

Publiziert in der: Loyal
Autor: Niklaus Höfter
Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, ist der US-Dollar die zentrale Leitwährung des globalen Handels. Neue geopolitische Rivalitäten und der zunehmende Einsatz von US-Sanktionen als Mittel wirtschaftlicher Kriegsführung haben dazu geführt, dass sich Staaten wie China und Russland verstärkt nach alternativen Wegen zur Abwicklung internationaler Transaktionen umsehen – unabhängig von SWIFT und dem Dollar. Der Artikel untersucht, wie revisionistische Staaten versuchen, sich vom westlich dominierten Finanzsystem zu entkoppeln, und analysiert die Hürden, die diesem Vorhaben im Weg stehen.
Der Iran und Russland nutzen bereits heute Kryptowährungen, um bestehende Finanzsanktionen zu umgehen. Langfristig streben die BRICS-Staaten jedoch nach stabileren und strukturell verlässlichen Alternativen. Eine gemeinsame BRICS-Währung erscheint angesichts unterschiedlicher geldpolitischer Interessen und geopolitischer Spannungen – etwa zwischen China und Indien – kaum realistisch.
Wahrscheinlicher ist der Aufbau eines alternativen Zahlungssystems auf Basis nationaler Währungen. Die BRICS-Staaten arbeiten bereits an entsprechenden Konzepten und prüfen dabei auch den Einsatz neuer Technologien wie Blockchain. Ein solches System wäre unabhängig von Dollar und SWIFT – und würde im Falle geopolitischer Spannungen den außenpolitischen Einfluss westlicher Sanktionen erheblich begrenzen.
Zunehmende Zweifel an der Unabhängigkeit der Federal Reserve verstärken den globalen Trend zur finanziellen Entkopplung.
Der Artikel argumentiert, dass wirtschaftliche Sanktionen im digitalen Zeitalter an Wirkungskraft verlieren könnten. Dies hätte tiefgreifende Folgen für die außenpolitischen Handlungsspielräume liberaler Demokratien.
Außen- & Sicherheitspolitik im Westbalkan

Bericht der Studienreise
Projektgruppe Südosteuropa
Die HSG Regensburg machte im Juni ihr Debüt im Ausland! Die PG Südosteuropa nutzte ihre Zeit in Belgrad und Prishtina, um führende Think-Tanks, Offizielle und zivilgesellschaftliche Akteure zu Themen wie EU-Beitritt, Studierendenprotestesten, Rechtsstaatlichkeit, demokratisches Backsliding sowie Serbiens und Kosovos Positionierung in der internationalen Politik zu befragen.
Mit viel Freude und Engagement präsentiert die PG Südosteuropa nun ihren Final Report zur Studienreise! Ein herzliches Dankeschön an alle Partner vor Ort und zuhause, die maßgeblich zur Realisierung dieser Reise beigetragen haben. Viel Spaß beim Lesen!
Stockt Serbiens EU-Beitritt an Cyber-Security?

Publiziert in der: Loyal
Autorin: Marta Milošević
Nach dem Einsturz eines Bahnhofsdachs in Novi Sad kam es in Nordserbien zu massiven Studierendenprotesten – und im Anschluss zu gezielten Eingriffen in die digitale Privatsphäre von Aktivist:innen, Journalist:innen und zivilgesellschaftlichen Akteuren. Unbekannte Nummern, die mutmaßlich mit dem staatlichen Telekommunikationsanbieter oder Spähsoftware wie Pegasus in Verbindung stehen, versuchten, sensible Daten abzugreifen und Einschüchterung auszuüben. Vor dem Hintergrund der schleppenden EU-Erweiterungsverhandlungen rückt die Frage in den Fokus, wie ernst es Serbien mit der Umsetzung europäischer Standards in der Cybersicherheit ist. Zwar existieren mit dem Digital Services Act und der NIS-2-Richtlinie auf EU-Ebene verbindliche Vorgaben – doch in Serbien bleiben viele davon bisher auf dem Papier. Der Beitrag beleuchtet, wie digitale Überwachung, geopolitische Interessen und normative Lücken miteinander verflochten sind – und welche Rolle die EU in der Regulierung digitaler Räume auf dem Westbalkan künftig spielen sollte.
Buchrezension: Wie steht es um die öffentliche Sicherheit?

Publiziert in der: Loyal
Autoren: David E. Jung, Jannik Steinwender
Ist unsere Öffentliche Sicherheit in Gefahr? Diese Frage wird politisch und medial kontrovers diskutiert. Die Antwort auf diese Frage kann Menschen verunsichern. Unsere Öffentliche Sicherheit ist so sehr bedroht, wie sie es seit dem Bestehen unserer Bundesrepublik noch nicht war. Es kommen viele, offensichtlich zu viele, Bedrohungen und Akteure zur gleichen Zeit zusammen.
Dieses Sachbuch stellt aktuelle und künftige Gefahren für die Öffentliche Sicherheit Deutschlands dar: Extremismus und Terrorismus, aber auch Organisierte Kriminalität (z.B. Rauschgifthandel/ -schmuggel), Cyberattacken und Desinformationskampagnen.
Die Buchrezension wirft einen Blick ins Buch und betrachtet dabei die Nutzung der verfügbaren Informationen, die wissenschaftliche Umsetzung, aber auch besonders die Nutzbarkeit der Erkenntnisse für Entscheidungsträger.
India between the West and Russia

Publiziert durch: Wissenschaft und Sicherheit
Autor: David E. Jung
Indien, die bevölkerungsreichste Demokratie der Welt und eine aufstrebende Großmacht, hat gegenüber Russlands Krieg gegen die Ukraine eine neutrale Haltung eingenommen, obwohl es seine Beziehungen zu den USA und dem Westen verstärkt hat. In diesem Beitrag wird die Theorie des Balance of Threat herangezogen, um Indiens Verhalten zu erklären: Indiens Balanceakt zwischen dem Westen und Russland ist eine kalkulierte Strategie, um seine Sicherheitsbedenken effektiv zu bewältigen. Indien, das von China und Pakistan bedroht wird, ist für sein internes und externes Gleichgewicht auf die Kooperation sowohl mit Russland als auch mit den USA angewiesen. Russland versorgt Indien mit Waffen- und Energieimporten, während die USA der zuverlässigste Partner gegen China sind. Außerdem muss Indien seine Beziehungen zu Russland aufrechterhalten, um eine weitere Annäherung zwischen China und Russland zu vermeiden. Da Indien für die Ausgleichsbemühungen der USA gegen China unverzichtbar ist, hat es keine politischen Konsequenzen für seine neutrale Haltung zu befürchten. Diese Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, Indiens geopolitische und sicherheitspolitische Imperative zu berücksichtigen, um seine Außenpolitik zu verstehen.
Fractured Unity: Understanding Franco-German Tensions in EU Security Policy

Publiziert durch Young Security Conference
Autorin: Charlotte Nachtmann
"Fractured Unity" analysiert die wachsenden Spannungen zwischen Frankreich und Deutschland in Bezug auf die europäische Sicherheitspolitik. Die unterschiedlichen strategischen Kulturen beider Länder führen zu Konflikten, die die Integration und Effektivität der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP) der EU beeinträchtigen. Während Frankreich seine militärische Macht ausbauen möchte, bevorzugt Deutschland zivile Ansätze und eine engere Anbindung an die NATO. Diese Divergenzen erschweren eine kohärente europäische Sicherheitsstrategie und behindern die Entwicklung einer einheitlichen EU-Strategiekultur.
Wie geht es der Zivilgesellschaft im Krieg?

Publiziert in der Loyal
Autor: Jannik Steinwender
Der Artikel beleuchtet die essenzielle Rolle zivilgesellschaftlicher Organisationen und demokratischer Institutionen in der Ukraine während des anhaltenden Krieges. Trotz der Herausforderungen durch den Krieg, der die Arbeit von 96.258 zivilgesellschaftlichen Organisationen erheblich beeinträchtigt, zeigt sich eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit: Ein Großteil der Organisationen hat seine Aktivitäten fortgesetzt oder sogar ausgebaut, wobei viele sich auf humanitäre Hilfe konzentrieren. Diese Anpassung ist ein Indikator für die fortschreitende Demokratisierung und das Engagement der Zivilgesellschaft, die trotz der schwierigen Umstände, ihre Rolle in der Gesellschaft aktiv und zukunftsorientiert gestalten will. Der Artikel betont auch die Notwendigkeit, diese Entwicklungen zu unterstützen, um eine nachhaltige demokratische Gestaltung der Ukraine zu gewährleisten, frei von oligarchischem und revisionistischem Einfluss.
