Strategieworkshop mit dem Leibniz Science Campus

Am heutigen Tag fand in Kooperation zwischen der Hochschulgruppe Regensburg und dem Leibniz Science Campus Regensburg ein Workshop zum Thema „Preußisches Kriegsspiel“ statt. Geleitet wurde die Veranstaltung von Prof. Dr. Jorit Wintjes und seinem Team von der Conflict Simulation Group der Universität Würzburg.

Neun Mitglieder der Hochschulgruppe nahmen an dem interaktiven Workshop teil, der ein fiktives, aber auf realen Ereignissen des Preußisch-Österreichischen Krieges von 1866 basierendes Szenario behandelte. Die Teilnehmenden schlüpften in die Rolle von Divisionsbefehlshabern und mussten strategische Entscheidungen unter hohem Zeit- und Informationsdruck treffen.

Ziel des Workshops war es, ein besseres Verständnis für die Herausforderungen militärischer Entscheidungsprozesse zu vermitteln – insbesondere im Hinblick auf Unsicherheit, begrenzte Informationslage und Kommunikationsprobleme durch sogenannte Friktion, wie etwa Missverständnisse bei der Befehlsweitergabe. Die Simulation wird auch heute noch im Rahmen der Offiziersausbildung oder der Katastrophenhilfe genutzt, um Entscheider zu schulen, mit Ungewissehit und Stress umgehen zu können. 

In einem asymmetrisch gestalteten Kriegsspiel trafen preußische Truppen mit zwei Infanteriedivisionen (24 Bataillone, 8 Kavalleriegeschwader, 6 Artilleriebatterien) auf sächsisch-österreichische Kräfte mit deutlich mehr Kavallerie (10 Bataillone, 28 Kavalleriegeschwader, 5 Batterien). Die Preußen hatten Vorteile in der Infanterie, die Gegenseite setzte auf bewegliche Kavallerie mit Artillerieunterstützung. Die Preußen planten einen koordinierten Vorstoß: Division 14 sollte südlich Kuncitz und Hradek sichern, Division 15 über Stresetitz Richtung Problus vorrücken. Die Sachsen bezogen bei Klacow Stellungen rund um Problus und schickten Aufklärer nach Nordwesten. Die österreichische Kavallerie rückte aus dem Süden in drei Richtungen vor, um die Sachsen zu unterstützen.

Beide Seiten hatten Anfangsprobleme mit der Koordination. Bei Division 14 führte das Fehlen der Artillerie zum Rückzug vor der österreichischen Kavallerie. Die Preußen verloren kurzzeitig ihr Divisionshauptquartier, konnten es jedoch neu aufstellen. Division 15 gelang hingegen ein konzentrierter Angriff auf Problus. Nach einem ersten gescheiterten Versuch gelang die Einnahme mit Unterstützung von Jägern. Auch Nieder-Prim fiel, nachdem ein sächsischer Gegenangriff gescheitert war. Im Westen verschärfte sich die Lage für die Preußen: Ein sächsisches Bataillon tauchte unerwartet im Rücken auf und überrumpelte das Hauptquartier der 14. Division ein zweites Mal. Der Rückzug der Preußen führte sie direkt in die Reichweite der österreichischen Kavallerie.

Beim Spielende war die preußische Lage geteilt: Im Osten hielten sie wichtige Dörfer und hatten kampffähige Einheiten, im Westen war Division 14 praktisch führungslos und von feindlicher Kavallerie umgeben. Die österreichischen Kräfte hielten Reserven bereit, und ein möglicher Durchbruch in die preußische Flanke blieb eine Bedrohung.

Der Workshop bot nicht nur spannende historische Einblicke, sondern auch wertvolle Denkanstöße für den Umgang mit komplexen Situationen – gestern wie heute. Unser Dank gilt neben Prof. Wintjes auch Dr. Paul Vickers vom LSC und seinem Team. Aus einer Idee bei der Playing War Konferenz im November wurde dadurch Realität.